Der Massanzug - Stangenanzug Vergleich

Zu gesellschaftlichen Anlässen oder für die tägliche Arbeit - oft trägt man einen Anzug. Dabei stellt sich die Frage nach dem Massanzug oder dem Anzug von der Stange.
Eins vorweg; beide Varianten haben ihre Vor- und Nachteile. Der folgende Vergleich vom Massanzug und Stangenanzug ermöglicht Ihnen vielleicht eine bessere Einschätzung.

Der Sitz des Anzuges

Gerade wenn man den Anzug beruflich benötigt, empfiehlt es sich besonders auf den richtigen Sitz zu achten.
Stangenanzug: Passt man ins Schema der rund 20 Standard Grössen, ist ein Stangenanzug keine schlechte Wahl. Rund 60% aller Herren (z.T. mit Anpassungen) können einen Stangenanzug gut tragen. Die restlichen Herren sind zu dünn, zu dick, haben zu lange Arme oder Beine, zu muskulöse Oberarme oder Schultern oder einen zu dicken Hals.
Die grössten Patzer in der Anzugwahl sind Anzüge mit zu breiten Schultern sowie grundsätzlich fehlender Taillierung.
Massanzug: Den Massanzug erkennt man auf den ersten Blick. So liegt der Kragen exakt am Nacken an und es gibt keine Nackenfalte. Auch an der Brust liegt der Massanzug gut auf, während beim Schliessen der Stangenanzug bei vielen Körperformen nicht genau passen will. Der Schneider nimmt Rücksicht auf Ihre Schulter- und Brustform. Während beim Stangenanzug oft viele Teile anprobiert werden müssen, kann diese Zeit beim Schneider gespart werden, um stattdessen die Vorzüge vom Schnitt zu besprechen. Das ist sicher einer der Hauptgründe, warum über die Hälfte aller Massanzugkunden eigentlich auch einen Stangenanzug tragen könnte.

Qualität

Stangenanzug: Achten Sie darauf, dass die Brustpartie nicht geklebt ist. Wenn Sie auf der Brust den Oberstoff vom Innenmaterial "abzupfen" können, ist die formgebende Brustpartie genäht und nicht geklebt. Ist das Material dick und lässt sich nicht separieren, suchen Sie sich besser einen anderen Anzug. Geklebte Anzüge sind oft bereits nach einer Reinigung nicht mehr einwandfrei, weil sich der Klebstoff im Innern löst.
Massanzug: Ein Massanzug hat am Ärmel echte Knopflöcher, während bei den meisten Stangenanzügen die Knöpfe nur aufgenäht sind. Auch treffen bei guter Arbeit (sichtbar bei einem gestreiften Anzug) auf den Schultern die Streifen des Anzugstoffes aufeinander.

Generell: Einen Anzug zu schneidern dauert je nach Qualitätsstufe zwischen 20 und 80 Stunden. Niemand kann 20 Stunden fehlerfrei arbeiten - doch sind tendenziell Massanzüge sorgfältiger verarbeitet, weil weniger kostenminimierend als in der Massenproduktion vorgegangen wird.

Preisniveau

Stangenanzug: Jedes Geschäft muss mehrere Kollektionen im Jahr einkaufen und schliesslich einen Teil der Ware in den Ausverkauf geben. Kaufen Sie einen Stangenanzug zum Normalen Preis, finanzieren Sie immer mit rund 30% des Einkaufpreises andere Produkte, die später in den Ausverkauf geschickt werden: Für 30%, 50% und schliesslich 70% Rabatt. Ausserdem muss die Boutique ein Warenlager pflegen und für dieses Lager Miete aufwenden.
Massanzug: Beim Massanzug wird nur produziert, was Sie bereits gekauft haben. Deshalb ist dieses Produkt - obwohl es in der Produktion einiges teuer ist, im Endpreis ähnlich wie ein edler Stangenanzug.
Ein Stangenanzug von einer grossen Marke bei 1200 Euro ist meistens aus einem schlechteren Stoff gefertigt als ein Massanzug für 1000 Euro.

Details

Stangenanzug: Stangenanzüge gehen bei einigen Marken mit der Mode, bei anderen Marken bleiben sie ganz klassisch. Sicher ist jedoch immer eines: Eine Marke kann sich keine Risiken leisten und wird somit immer Mainstream anbieten. Wenn nicht sicher ist, dass eine Kollektion verkauft werden kann, wird sie nicht vermarktet.
Massanzug: Sie sind der Designer. Bei den meisten Schneidern haben Sie die Auswahl aus hunderten Stoffen. Sie können jederzeit einen kamelfarbenen oder dunkelblau karierten Anzug kaufen und müssen nicht hoffen, dass der Anzug, den Sie im Schaufenster gesehen haben, noch in Ihrer Grösse erhältlich ist. Ausserdem können Sie den Anzug mit einem Monogramm oder Familienwappen personalisieren. Oder einfach den Kragen aus Leder wünschen. Somit ist jeder Anzug ein Unikat.